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HIV & Hepatitis, Syphilis... - HBV-Medikament fördert Kreuzresistenz zu HIV-Medikament

administrator - Fr 09 März, 2007 9:44 pm
Titel: HBV-Medikament fördert Kreuzresistenz zu HIV-Medikament
HBV-Medikament fördert Kreuzresistenz zu HIV-Medikament

Washington - Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA warnt vor dem Einsatz des Virustatikums Baraclude® (Wirkstoff Entecavir) bei Patienten, die mit dem HI-Virus koinfiziert sind, diese Infektion aber nicht behandeln. Bei einem Patienten führte Entecavir zur Selektion von resistenten HI-Viren, die eine spätere Behandlung der HIV-Infektion erschweren könnten. Der Hersteller hat einen „Dear Health Care Provider“-Brief versandt.

Baraclude wurde in Deutschland im August 2006 zur Behandlung der chronischen Hepatitis-B zugelassen. Es handelt sich um einen Hemmstoff der Hepatitis-B-Virus-(HBV)-Polymerase. Entecavir wird anstelle eines natürlichen Bausteins in die DNA des Virus eingebaut, was zum Abbruch der Kette führt. Dadurch wird die Vermehrung der Hepatitis-B-Viren gehemmt oder sogar verhindert.

Auch HI-Viren vermehren sich mithilfe einer Polymerase. Diese unterscheidet sich zwar von der HIV-Polymerase, das Prinzip ist aber ähnlich. Wie es scheint, kann Entecavir auch die HIV-Polymerase hemmen. Dies hat die Forscher überrascht, denn in bisherigen Studien hatte es keine Hinweise gegeben, dass Entecavir gegen HIV wirksam ist.
Anlass für die FDA-Meldung ist ein Patient, dessen Fall auf der diesjährigen Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections (CROI) in Los Angeles vorgestellt wurde. Der 31 Jahre alte gleichzeitig mit HIV und HBC infizierte Mann entschied sich dazu, zunächst seine HBV-Infektion zu behandeln und die HIV-Therapie zurückzustellen, was die guten CD4-Werte (>500 Zellen/mm3) und die geringe Viruslast von 35.000 Kopien/ml erlaubten.

Die Therapie der HBV-Erkrankung mit Entecavir schlug gut an. Die HB-Viruslast ging deutlich zurück. Doch zur Überraschung der Ärzte der Johns Hopkins Medical Institutions in Baltimore ging auch die HIV-Viruslast um etwa 2.000 Kopien/ml zurück. Dies wäre sicherlich ein günstiger Nebeneffekt gewesen, wenn nicht nach sechs Monaten eine HIV-Resistenztestung zur Entdeckung der M184V-Substition geführt hätte. Diese Mutation führt zu einer Resistenz auf Lamivudin. Dieses Medikament, auch als 3TC bekannt, ist eine der Ecksteine der hoch aktiven antiretroviralen Therapie.

Es bestand deshalb die Gefahr, dass die HBV-Therapie den Erfolg einer späteren HIV-Therapie gefährdet, die aufgrund der zunehmenden Immunschwäche bei dem Patienten früher oder später notwendig wird. In Los Angeles berichteten die Mediziner der Johns Hopkins Medical Institutions, dass sie bei zwei weiteren Patienten eine Kreuzresistenz entdeckt hätten.

Der Hersteller teilt mit, dass in den klinischen Studien keine antiretrovirale Wirkung von Entecavir aufgetreten war. Dies lag vermutlich daran, dass die Patienten in den Studien gleichzeitig eine HAART durchführten, welche die geringe antiretrovirale Wirkung von Entecavir überdeckten.

Der Hersteller hat in der zu diesem Zweck revidierten Fachinformation eine Kontraindikation für Patienten eingefügt, die gleichzeitig mit HIV und HBV infiziert sind, und bei denen keine HAART durchgeführt wird.
Die gute Nachricht ist nach Ansicht der Johns Hopkins-Mediziner, dass koinfizierte Patienten weiter mit Entecavir behandelt werden können, wenn sich gleichzeitig eine HAART durchführen. Wenn sie allerdings den Wunsch haben, zuerst die HBV-Infektion zu therapieren, seien sie in Zukunft um eine wichtige Therapieoption ärmer.

Deutsches Ärzteblatt vom 2. März 2007
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